24. AprilSaisonauftakt fürs FLIB
Die BBG wird Gotte! Das Patenquadrat zu Bümpliz Süd
Eigentlich ist es eines der spannendsten Quadrate in Bern… Da gibt es Bahnhofanlagen, Quartiere, leere Hinterhöfe, ein Teich und sogar ein Stück Waldrand. Bisher wurde das Quadrat am Bahnhof Bümpliz Süd höchst stiefmütterlich behandelt. Das soll sich ändern!
Die BBG ist neu Gotte von diesem Quadrat und unter Anleitung von Andreas Gygax und Adrian Möhl startet am 24. April die Kartiersaison diesem Patenquadrat. Je mehr wir sind, desto mehr können wir kartieren. Diese Exkursion richtet sich sowohl an Cracks (man darf sich auch eine eigenen Strasse „schnappen“ und versuchen, die anderen an dem Abend zu überbieten) als auch an alle diejenigen, die zu Beginn der Saison die Artenkenntnisse etwas auffrischen möchten. Oder eben an alle die, welche gern einmal bei einer Kartierung des Floreninventars Bern dabei wären. Wir kartieren ab 15.15 Uhr… so lange, wie wir Lust haben oder es das Tageslicht zulässt…
Leitung: Andreas Gygax und Adrian Möhl
Treffpunkt: 15.15 Uhr, Bahnhof Bümpliz Süd
10. MaiPulmonaria helvetica
Die Frühaufsteherin – zu Pulmonaria helvetica nach Cheyres
In der kleinen Bachschlucht „Combodon“ südlich von Cheyres kommt die seltene, für die Schweiz endemische Pulmonaria helvetica Bolliger vor, die erst im Jahre 1975 südlich von Moudon in der Gemeinde Vulliens in einer anderen Bachschlucht entdeckt wurde. Die Art ist auf wenige Wuchsorte zwischen Genfer- und Neuenburgersee beschränkt. Sie muss nach der letzten Eiszeit durch komplizierte Hybridisierungsvorgänge und nachfolgende Stabilisierung der Chromosomenzahl entstanden sein. Die stattliche, bis 60 cm hohe Staude ist sowohl morphologisch (Borstenmuster der Blätter) als auch karyologisch (Chromosomenzahl) als eigenständige Art gut charakterisiert.
Wenn auch unser Hauptinteresse dem Endemiten gilt, werden wir doch nicht mit Scheuklappen zur Lungenkraut-Schlucht eilen und wieder zurückhasten. Auf dem Hinweg durch die Weinberge ist unter anderem zu rechnen mit Schriftfarn (Ceterach officinarum), Roter Spornblume (Centranthus ruber), Rundblättrigem und Weichem Storchenschnabel (Geranium rotundifolium/ G. molle). In den Trockenwäldern unterhalb „Pra Bosset“ kommen vor: Saponaria ocymoides, Melittis melissophyllum, Festuca heterophylla, Sorbus torminalis, Amelanchier ovalis und Erica carnea. Eventuell blühen schon (ohne Gewähr!) Ohnsporn (Aceras anthropophorum) und Campanula persicifolia.
Auf dem Rückweg machen wir eine Schleife gegen den See (La Rochette) und wandern nach Estavayer-Le-Lac, um der Exkursion noch eine sportliche Note zu verleihen. Dort sieht man vielleicht schon Blätter von Hydrocotyle vulgaris, und auf der Wanderung entlang der ausgedehnten Schilfröhrichte viele typische Flachmoor- und Röhrichtarten – aber leider nur vegetativ, für die Flora der Sümpfe sind wir zu früh dran: Inula helvetica, Schoenus sp., Eriophorum sp., Hottonia palustris, Thalictrum flavum, Menyanthes trifoliata, Stachys palustris, Thelypteris palustris usw. Immerhin ist an manchen Stellen mit Cephalanthera rubra zu rechnen, und auch Ophrys holosericea ist möglich, wenn die Sterne gut stehen.
Leitung: Markus Bolliger (Beschreiber der Art!)
Treffpunkt: 9.45 Uhr, Bahnhof Cheyres
4. JuliOnosma helvetica
Die Schöne – zu Onosma helvetica nach Ollon (VD)
Durch die Altstadt von Aigle und die darüberliegenden Weinberge bringt uns ein schöner Weg zum Bois de la Glaive. Hier hat man fast dann Eindruck, in mediterrane Gefilde geraten zu sein. Föhrenwälder mit einer ausgeprägten Trockenvegetation warten auf uns. Hier findet sich auch ein isolierter Standort der Schweizer Lotwurz (Onosma helvetica), welche auch schon als spezielle Waadtländer Form beschrieben wurde und immer wieder in den Listen der Schweizer Endemiten aufgetaucht ist. Handelt es sich bei dieser prächtigen Pflanze, die ebenfalls im Zentralwallis verbreitet ist, tatsächlich um einen Schweizer Endemiten (wie der Name ja vermuten lässt)? Wie findet man sich im Dschungel der Artbeschreibungen in der Gattung Lotwurz (Onosma) zurecht. Solchen und ähnlichen Fragen gehen wir auf dieser Exkursion nach. Natürlich schauen wir auch all die weiteren Spezialitäten an, die im Bois de la Glaive blühen – und damit wir nicht ganz austrocknen, dafür wird spätestens bei unserer Ankunft in Ollon gesorgt.
Leitung: Saskia Godat und Adrian Möhl
Treffpunkt: 9.30 Uhr, Bahnhof Aigle
Es ist eine relativ einfache Wanderung ohne zu viele Höhenmeter.
11. JuliArenaria bernensis
Die Umstrittene – zu Arenaria bernensis auf die Bürglen
Die Voralpenkette zwischen Stockhorn und zum Vanil Noir beherbergt einen grossen Pflanzenreichtum. Genau für diese Region ist das schmucke Berner Sandkraut (Arenaria bernensis) endemisch. Seit seiner Beschreibung als neue Art durch den Neuenburger Professor Claude Favarger 1963 blieb der taxonomische Status von Arenaria bernensis jedoch umstritten. Während sie der Synonymie-Index der Schweizer Flora mit Arenaria ciliata s.str. gleichsetzt, deuten neuere Forschungsergebnisse der Universität Fribourg darauf hin, dass sie eben doch als eigenständiges Taxon gelten kann.
Auf kühlen, nordexponierten Hängen im Gantrischgebiet ist das Berner Sandkraut nicht selten anzutreffen. Wir werden für unsere Exkursion die Fundstelle im Gipfelgebiet der Bürglen (2165 m) aufsuchen, wo der Zustieg einfach und ungefährlich ist. Der Weg dorthin führt uns erst am Gantrischseeli vorbei, wo uns schöne Bestände des seltenen Pyrenäen-Löffelkraut (Cochlearia pyrenaica) erwarten. Beim Aufstieg via Morgetepass treffen wir auf Arten wie Milchweisser Mannsschild (Androsace lactea), Buntes Läusekraut (Pedicularis oederi) und Gelbes Alpen-Stiefmütterchen (Viola lutea). Gegen den Gipfel wachsen grosse Bestände vom Kopfigen Greiskraut (Tephroseris capitata) und der schmucke Hallers Spitzkiel (Oxytropis halleri s.str.). Wenn die Zeit reicht, werden wir auf dem Rückweg einer alten Fundangabe zur Scheiden Segge (Carex vaginata) nachspüren. Es wäre die westlichste Fundstelle in der Schweiz. Und lasst uns immer die Augen offen halten nach dem Grauen Felsenblümchen (Draba incana), welche seit Jahrzehnten im Gebiet verschollen ist.
Leitung: Michael Jutzi
Treffpunkt: 9.20 Uhr Parkplatz Untere Gantrischhütte
Für diese Exkursion werden eine gute Berggängigkeit und eine gewisse Fitness vorausgesetzt.
22. AugustArtemisia nivalis
Die Seltene – zu Artemisia nivalis ans Unterrothorn
Zur Region Sunegga – Blauherd muss man wohl nicht viel sagen: wunderbare Ausblicke und eine superspannende Vegetation erwarten einen hier. Auf dieser Exkursion soll aber eine Pflanze ganz besonders im Mittelpunkt stehen: die Schnee-Edelraute (Artemisia nivalis)! Bei dieser Art gibt es wohl am wenigsten Diskussionen, ob es sich um einen echten Endemiten handelt oder nicht – auch wenn das Potential die Art doch auch in Italien zu finden durchaus gegeben ist. Arnold Steiner ist ein ausgezeichneter Kenner der Region und wird diese Exkursion leiten. Dabei werden neben weiteren spannenden Arten mit einer kleinräumigen Verbreitung (wie zum Beispiel der Schlitzblättrige Löwenzahn (Taraxacum dissectum), der hier nicht selten ist) auch verschiedene interessante Vegetationstypen im Mittelpunkt stehen. Der Panoramaweg führt entlang von Blaugrashalden (Seslerion albicantis) und Kalkschiefer-Schuttfluren (Drabion hoppeanae) in Richtung Blauherd. Wenn Zeit und Lust da ist, kann die Wanderung bis Sunnegga weitergeführt werden, wo noch ein paar botanische Überraschungen mehr zu entdecken sind.
Leitung: Arnold Steiner
Treffpunkt: 10.15 Uhr, Ausgang Station Rothorn (Anreise via Zermatt Blauherd)
Für diese Wanderung braucht es eine gewisse Fitness und sie ist für Leute mit Höhenangst nicht geeignet. Vom Unterrothorn bis Sunegga sind rund 900 Höhenmeter zu bewältigen. Eine entsprechende Ausrüstung ist hier besonders wichtig.
5. SeptemberSaisonabschluss FLIB
Zimtrose und Zebraspinne
Zum Geburtstag der Akademie der Wissenschaften gibt es ganz zum Abschluss der Saison noch eine interdisziplinäre Führung zum Floreninventar der Stadt Bern – ganz in der Tradition der „Pflanzen und Tiere“-Exkursionen, wie sie Beatrice Lüscher und Adrian Möhl schon seit vielen Jahren organisieren. Die Elfenau ist sowohl für Pflanzen wie für Tiere ein kleines Paradies und auf unserem Rundgang wollen wir einmal mehr die Berührungspunkte von Zoologie und Botanik ausloten als auch schauen, was im Gebiet der Elfenau alles kreucht und wächst.
Leitung: Adrian Möhl und Beatrice Lüscher
Treffpunkt: 16. Uhr, Orangerie Elfenau, Dauer bis ca. 19. Uhr