21. AprilAuftakt im BOGA
Grünalgen und der Schritt an Land – wie alles begann:
Auftaktveranstaltung zur Evolutionsjahr der BBG
Zum Auftakt des Evolutionsjahres der BBG begeben wir uns auf einen Spaziergang durch die Evolution der Pflanzen. Wir beginnen mit den Grünalgen im Wasser und gehen gemeinsam den entscheidenden Schritt an Land, der nicht nur unser Klima nachhaltig veränderte, sondern auch zahlreiche Anpassungen erforderte. Einige der urtümlichen Pflanzengruppen sind inzwischen ausgestorben und nur noch als Fossilien erhalten. Es gibt aber auch «lebende Fossilien», also Pflanzen, die sich seit Jahrmillionen kaum verändert haben. Andere Pflanzen wiederum haben sich mit der Zeit immer weiterentwickelt und konnten sich so an bestimmte Lebensräume oder Bestäuber anpassen. Im neuen Evolutionsgarten des Botanischen Gartens der Universität Bern können wir diese Entwicklungen und Anpassungen in wenigen Schritten selbst erleben. Von den Moosen als ersten Landpflanzen bis hin zu den weitentwickelten Eudikotyledonen beobachten wir, wie die verschiedenen Gruppen sich den Herausforderungen eines terrestrischen Lebens gestellt haben und wie sie nach und nach immer unabhängiger vom Wasser geworden sind – oder teilweise auch sekundär wieder ins Wasser zurückgekehrt sind.
Leitung: Katja Rembold und Adrian Möhl
Treffpunkt: 17. Uhr beim Hörsaal Botanischer Garten Bern
Dauer: Abendveranstaltung
23. AprilNacktsamer im Wallis
Nacktsamer: Urtümliche Samenpflanzen im Wallis
Der Frühling ist eine herrliche Zeit für Wanderungen durch südexponierte Hänge im Wallis. In trockenen Hängen, Reben und Felsensteppen kann es bei gutem Wetter für diese Jahreszeit beinahe heiss werden und die Flora ist im Vergleich zu vielen anderen Orten ein Sprung voraus. An diesem Tag wandern wir von Montagnon etwa 400 Höhenmeter nach Saillon ins Rhonetal hinunter und achten uns auf dem Weg auf verschiedene Nacktsamer (Gymnospermen). Neben Juniperus nana, Taxus baccata und Picea abies gehört auch das Schweizer Meerträubel (Ephedra helvetica) zu diesen ursprünglichen Samenpflanzen. Ephedra helvetica kommt in der Schweiz ausschliesslich im Wallis in nur kleinen, isolierten Populationen vor und ist national geschützt. Sie wächst in offenen Beständen an südexponierten Hängen und ist durch Herbizide, Konkurrenz und Ausweitung von Rebparzellen gefährdet. Augen auf also in Felsenheiden – mit etwas Glück lässt sich das grüne, besenartige Sträuchlein finden!
Leitung: Stefan Eggenberg und Hannah Inniger
Treffpunkt: 10.30 Uhr, Bushaltestelle Montagnon (Leytron)
21. MaiGräser & Co entlang der Aare
Monokotyle: Schmal im Fokus - Gräser & Co und das Projekt COMECO
Diese Exkursion führt uns an die Aare und den Jurasüdfuss bei Feldbrunnen neben Solothurn. Wir spazieren durch eine reizvolle Landschaft, wo wir am Flussufer, am Ackerrand und im lichten Laubwald verschiedenste blühende Gräser sowie mehr oder weniger seltene Moose auf Findlingen antreffen werden.
Unterwegs stellt Lucienne de Witte die Mobiltelefon-App «FlorApp» vor, mit welcher Pflanzenfunde einfach und unkompliziert an das Nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora (Info Flora) gemeldet werden können. Zudem soll das Fotografieren der Pflanzen im Fokus stehen. Lucienne gibt den Interessierten Tipps, wie die Pflanzenmerkmale möglichst optimal erfasst werden können. Solche Fotos sind für die Bild-Datenbank von Info Flora sehr wertvoll, da sie für Weiterentwicklungen wie z.B. die Bilderkennung genutzt werden. Als Ausblick zeigt Lucienne weitere Mobiltelefon-Apps, die im Feld nützlich sein können, wie z.B. die Flora-Helvetica-App oder PlantNet. Wer möchte, kann «FlorApp» auf dem eigenen Mobiltelefon installieren. Die App kann gratis im Internet bezogen werden.
Leitung: Lucienne de Witte
Treffpunkt: 9.15 Uhr, Bahnhof Solothurn, auf dem Busperron/beim Taxistand
Strecke / Programm: Spaziergang entlang der Aare nach Feldbrunnen (Führung zum Thema «Gräser & Co und das Projekt COMECO» mit Lucienne de Witte), Verpflegung aus dem Rucksack oder im Restaurant Pintli in Feldbrunnen, anschliessend gemeinsames Botanisieren und Fotografieren im lichten Wald (bei heissem Wetter in der Verenaschlucht), Rückkehr individuell.
04. JuniErfolgreiche Zweikeimblättrige - Die Suche im Wallis
Dikotyle: Netzaderigen und Erfolgreichen auf der Spur
Die grösste und heute ohne Zweifel erfolgreichste Pflanzengruppe sind die Zweikeimblättrigen Bedecktsamer. Wer möglichst viele verschiedene Arten dieser Gruppe sehen möchte, hat die Qual der Wahl – aber das Wallis ist dazu immer gut geeignet. Damit diese Gruppe mit den schönen netzaderigen Blättern den Platz kriegt, den sie verdient, wollen wir ihr einen ganzen Tag in einem Gebiet widmen, wo sie bisher zu wenig festgehalten wurden. Dafür eignet sich die Region Visperterminen besonders gut, ist sie doch von Bern aus im Nu zu erreichen.
Wir treffen uns an der Bergstation Gspon und von dort aus geht es via Waldegga nach Visperterminen. In Waldegga werden wir ein Blitzinventar für Info Flora machen und werden neben vielen «Dikotylen» auch Farne und «Monocots» festhalten. Neben hoffentlich vielen spannenden Pflanzenfunden wollen wir an diesem Tag auch etwas zur Gruppe der Zweikeimblättrigen als Gesamtes erfahren. Wie erkenne ich sie? Was ist der Grund, dass sie so erfolgreich sind? Welches sind die grössten Familien in dieser Gruppe? Gibt es im Wallis mehr Einkeim- oder mehr Zweikeimblättrige? Unsere Wanderung führt auf Wander- und Bergwegen und es gilt 7 km und 700 Höhenmeter zu bewältigen – wobei es meist «abwärts» geht.
Leitung: Adrian Möhl
Treffpunkt: 10. Uhr, Gspon Bergstation
30. JuniSchmalblättrige auf dem Hasliberg
Monokotyle: Schmalblättrige auf dem Hasliberg
Je nach Vorprägung denkt man bei Gräsern an Fussballplätze, dekorativ zusammengebundene Stauden der winterlichen (Schotter-)Vorgärten oder Heuschnupfen. Die Nase voll von Gräsern haben einige nicht nur, weil sie der Pollen wegen läuft, sondern weil ihnen das Trauma eines Bestimmungsmisserfolgs nachhängt. Für andere sind Gräser einfach alle gleich. Beides führte jedoch allzu oft zur kompletten Missachtung dieser Gruppe. Tagesthema sollen neben den Süssen auch die Sauren, sowie Binsen und Simsen, also alle grasartigen (Poaceae, Cyperaceae, Juncaceae) der trockenen und feuchten Grasländer auf dem Hasliberg sein. Ziel ist es, in der Bergidylle die Angst vor der Gräserbestimmung zu nehmen und auch AnfängerInnen der Grasbotanik so manchen Bestimmungstrick zu vermitteln. Der Fokus liegt zwar auf den Windbestäubten, wir schauen aber nicht weg, sollte plötzlich eine buntblühende insektenbestäubte Art aus einer anderen Familie unser Interesse wecken. Neben der «normalen» Lupe könnte eine Lupe mit 20-facher Vergrösserung optional das Gepäck bereichern.
Leitung: Steffen Boch
Treffpunkt: 9.15 Uhr, Hasliberg Reuti (Gondelbahn)
Strecke: Von der Mäggisalp über Käserstatt nach Lischen ca. 6 km, 220 Höhenmeter rauf und 450 Höhenmeter runter, ca. 2 h reine Wanderzeit
13. AugustFarne im Lütschental
Farne: Farnjagd zwischen Sulwald und Zweilütschinen
Die feucht-schattigen Lütschinentäler beherbergen eine reichhaltige Farnflora. Was wäre naheliegender als die Gruppe der Farne im Rahmen der Evolutionsführungen in diesem Gebiet vorzustellen? Dazu kommt, dass hier die Farne noch viel zu wenig bekannt sind und es deshalb ein wahres Glück ist, wenn Michael Kessler mit seinen grossen Kenntnissen zu dieser Gruppe eine Exkursion in der Gegend von Zweilütschinen leitet.
Treffpunkt für diese Exkursion ist die Bergstation Sulwald, die mit einer kleinen Seilbahn via Isenfluh erreicht werden kann. Auch wenn Mitte August noch allerhand «Ablenkung» von den Bergblumen droht, so ist der Fokus dieser Exkursion ganz alleine bei den Farnen. Wie kann ich die einheimischen Farngattungen erkennen und wie unterscheide ich die schwierigen Arten bei der Dryopteris affinis Gruppe? Was ist an Farnen so besonders, wann sind sie entstanden und wie haben sie sich im Laufe der Evolution entwickelt – auf all diese Fragen wird Michael problemlos antworten können. Über Stock und Stein geht es von Sulwald Richtung Zweilütschinen und für Überraschungen dürfte gesorgt sein, wurde diese Gegend doch noch kaum von Farnspezialisten etwas genauer unter die Lupe genommen.
Leitung: Michael Kessler
Treffpunkt: 10.05 Uhr, Bergstation Sulwald
20. AugustKleine Teichrose am Gräppelensee
Basale Angiospermen: Der Schatz am Gräppelensee – Besuch bei der Kleinen Teichrose
Auf dem heutigen Programm steht eine Exkursion zu einem kleinen Naturparadies im Toggenburg. Der idyllische Gräppelensee liegt auf 1’307 Metern ü. M., eingebettet in einer langgezogenen Mulde inmitten einer geschützten Moorlandschaft. Er ist nur zu Fuss erreichbar. Wir starten mit dem Aufstieg bei der Bushaltestelle «Dorf» und folgen dem Wanderweg auf der Bergstrasse am alten Kloster vorbei Richtung Vorderberg. Dort zweigen wir auf einen schmäleren Wanderweg ab, der uns an den Fuss des Mittelbergs und dann steil durch eine Schlucht hinaufführt. Nach einigen Metern Abstieg liegt dann endlich der Gräppelensee vor uns. Im See spiegeln sich bei klarem Wetter die Gipfel des Säntisgebiets. Wer sich an der wundervollen Berglandschaft sattgesehen hat, kann sich dem eigentlichen Ziel unserer Wanderung zuwenden. Laut einer geheimnisvollen Sage soll sich nämlich bei einem Stein nahe dem Gräppelensee ein verborgener Schatz befinden. Wir wissen, dass sich der Schatz mitten im See befindet und können ihn vom sicheren Ufer aus bewundern. Der Gräppelensee ist Lebensraum und einer der wenigen Standorte von zwei national hoch prioritären Pflanzenarten – dem Langblättrigen Laichkraut (Potamogeton praelongus) und der Kleinen Teichrose (Nuphar pumila). Letztere kommt in der Schweiz nur noch in vier natürlichen Populationen vor und gilt als stark gefährdet. Ihre tiefer gelegenen Bestände sind unter anderem durch die Hybridisierung mit der Grossen Teichrose (Nuphar lutea) bedroht. Bei der Umrundung des Sees entlang des Uferpfads entdecken wir im angrenzenden Flachmoor mit etwas Glück ziemlich sicher noch andere Raritäten oder sehenswerte Arten. So gedeiht Im Moorgebiet um den Gräppelensee z.B. die ebenfalls stark gefährdete und seltene Torfsegge (Carex heleonastes). Nach einem ausgiebigen Mittagspicknick und einer ebenso sättigenden botanischen Erkundungstour machen wir uns auf den Rückweg. Dieser führt uns westwärts dem Mittelberg entlang bis Risi und anschliessend im Zickzack der Südflanke des Mittelbergs hinab zurück ins Dorf Alt St. Johann.
Leitung: Claudia Huber
Strecke: 7.5 km, 520 m Aufstieg und 520 m Abstieg, ca. 3 h reine Wanderzeit
10. SeptemberBärlappgewächse auf dem Niederhorn
Bärlappgewächse: Jurassic Parc und Lycopodiella inundata auf dem Niederhorn
Um es vorwegzunehmen, auf dem Niederhorn gibt es keine Dinosaurier mehr. Jedoch findet man hier botanische Urgesteine in Form von verschiedenen Bärlappgewächsen. Eine Pflanzenfamilie, welche bereits viel früher entstanden ist und im Gegensatz zu den Dinosauriern bis heute erfolgreich die Erde bewohnt.
Gemeinsam starten wir auf dem Gipfel des Niederhorns mit der Bärlappjagd. Auf der Frühherbstwanderung erfahren wir, wieso Bärlappe in mancher Hausapotheke zu finden sind und wieso sie manchmal für ganz viel Theater sorgen.
Nebst häufigeren Vertretern der Bärlappgewächse suchen wir auch zwei unscheinbare, eher seltenere Arten. Den Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum) und den Moorbärlapp (Lycopodiella inundata). Besonders Zweiterer wird in der Schweiz immer seltener. Wieso es dem Moorbärlapp in gewissen Regionen der Schweiz an den Kragen geht, wo es noch regelrechte Moorbärlappfelder zu bestaunen gibt und mit welchen eher unorthodoxen Methoden man diese Zwischenmoorart erhalten kann, werden wir gleich an einer Population entlang des Wanderwegs erkennen.
Leitung: Nora Rieder
Treffpunkt: 9.38 Uhr, Niederhorn Bergstation
Strecke: Vom Gipfel bis zur Busstation Tourist-Center in Beatenberg sind es 850 Höhenmeter, 7 km und ca. 2.5 h reine Wanderzeit.